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Kriterienbasierte Rehabilitation: Der smarte Weg zurück zum Sport (1)

By Medical Athletic Crew

 

Kriterienbasierte Rehabilitation: Der smarte Weg zurück zum Sport (1)

Bei einem kriterienbasierten Ansatz wird die Rehabilitation nach einer Verletzung oder Operation anhand objektiver funktioneller und klinischer Kriterien, anstatt vorgegebener Zeitintervalle gesteuert. Der Übergang zur nächsten Phase erfolgt erst, wenn bestimmte objektive Voraussetzungen wie etwa Schmerz- und Schwellungszustand, Bewegungsumfang, Muskelkraft bzw. -ausdauer oder Belastungstoleranz gegeben sind. Ziel eines kriterienbasierten Vorgehens ist es, die Rehabilitation individuell anzupassen, Über- oder Unterbelastung zu vermeiden und eine sichere sowie nachhaltige Rückkehr in den Alltag, Beruf oder Sport zu ermöglichen.

Welche Kräfte wirken beim Sport? Ein Blick auf verschiedene Bewegungsarten

Mit jeder Bewegung geht eine mehr oder weniger ausgeprägte Beanspruchung der involvierten Strukturen – etwa Sehnen, Bänder oder Gelenke – einher. So lässt sich beispielsweise bereits beim normalen Gehen eine Kniegelenksbelastung im Bereich des 2 bis 3-fachen des Körpergewichts messen. Beim Joggen erhöht sich dieser Wert bereits auf das 6-8-fache, beim Springen und Landen treten nochmals deutlich höhere Kräfte auf (2). Auch Sehnen müssen enorme Kräfte aufnehmen können. So wirkt bei einem Sprint eine Belastung von bis zu 900 Kilogramm auf die Achillessehne (3). Bänder sind primär für die passive Gelenkstabilität verantwortlich; ihre Belastung hängt stark von Bewegungsqualität und -kontrolle ab (4). 

Gewebebelastbarkeit: So testest du sie objektiv

Um beurteilen zu können, ob die Gewebebelastbarkeit ausreichend wiederhergestellt ist, sind objektive, klinische Kriterien erforderlich. Diese unterscheiden sich je nach Wundheilungs- bzw. Rehaphase. Damit in der Akutphase sinnvoll mit aktiver Bewegung oder Belastung der betroffenen Strukturen begonnen werden kann, sollte die Entzündungsphase weitgehend abgeschlossen sein. Dies kann anhand eines Rückgangs der Schwellung und der Hauttemperatur sowie eines Abklingens des Ruheschmerzes und des damit verbundenen Bedarfs an Schmerzmedikamenten festgestellt werden. In den folgenden Rehaphasen zählen Beweglichkeit, Kraft und Belastungstoleranz zu den wichtigsten Progressionskriterien. So muss beispielsweise das Kraft- und Belastbarkeitsniveau vor dem Wiedereinstieg in ein strukturiertes Lauftraining hoch genug sein, um die auftretenden Kräfte bewältigen zu können. Zur Beurteilung dieser Parameter eignen sich isometrische Maximalkrafttests sowie repetitive Sprungtests. 
In der späten Rehaphase ist es erforderlich, die Belastbarkeit für Sprints und schnelle Richtungswechsel wiederherzustellen. Zur Überprüfung dessen haben maximale Sprungtests einen hohen Stellenwert. Dabei wird unter anderem der Reactive Strength Index (RSI) als wertvoller Parameter gemessen. Er gibt Auskunft über die Leistungs- und Belastungsfähigkeit des neuromuskulären Systems bei schnellen exzentrisch-konzentrischen Belastungen.

Von der Testung zur Prognose: Wann bist du wirklich bereit für dein Comeback? 

Die Relevanz dieser objektiven Kriterien beschränkt sich jedoch nicht nur auf die Belastungssteuerung – sie besitzen darüber hinaus prognostische Bedeutung für den weiteren Verlauf. Das Erreichen festgelegter Schwellenwerte, beispielsweise in Sprungtests, ist mit einer erhöhten Wahrscheinlichkeit für einen erfolgreichen Return-to-Sport assoziiert (5). Werden definierte Schwellenwerte nicht erreicht und dennoch sportliche Belastungen aufgenommen, erhöht sich das Risiko für eine erneute Verletzung oder ein Auftreten von Schmerzen bei der Belastung signifikant. Eine Studie zeigte, dass sich nach Rekonstruktion des vorderen Kreuzbandes ein vierfach erhöhtes Wiederverletzungsrisiko ergibt, wenn die Rückkehr in den Sport erfolgt, bevor mindestens 90 % des Kraft- und Sprungniveaus der Gegenseite erreicht sind (6). 

Zusammenfassend bildet ein kriteriengeleitetes Vorgehen die Brücke zwischen biologischer Heilung, funktioneller Leistungsfähigkeit und einer sicheren Rückkehr in den Sport. 


(1) Pattanaik, M. R., Sahoo , P., Dash , P., & Khan, M. R. (2025). Rehabilitation after Anterior Cruciate Ligament (ACL) Reconstruction: A Review of Criterion-Based vs Time-Based Progression. International Journal of Medical Science And Diagnosis Research, 9(3), 111–119. https://doi.org/10.32553/ijmsdr.v9i3.1063

(2) Thakkar B, Willson JD, Harrison K, Tickes R, Blaise Williams DS 3rd. Tibiofemoral Joint Forces in Female Recreational Runners Vary with Step Frequency. Med Sci Sports Exerc. 2019 Jul;51(7):1444-1450. doi: 10.1249/MSS.0000000000001915. PMID: 30724849.

(3) Komi, P. V., Fukashiro, S., & Järvinen, M. (1992).
 Biomechanical loading of Achilles tendon during normal locomotion. Journal of Biomechanics, 25(3), 263–270.
 https://doi.org/10.1016/0021-9290(92)90038-5

(4) Shi, H. et al. (2025).
 Biomechanical Determinants of Anterior Cruciate Ligament Stress.
 Bioengineering (MDPI), 12(3), 222.

(5) Ashigbi EYK, Banzer W, Niederer D. Return to Sport Tests‘ Prognostic Value for Reinjury Risk after Anterior Cruciate Ligament Reconstruction: A Systematic Review. Med Sci Sports Exerc. 2020 Jun;52(6):1263-1271. doi: 10.1249/MSS.0000000000002246. PMID: 31895299.

(6) Kyritsis P, Bahr R, Landreau P, Miladi R, Witvrouw E. Likelihood of ACL graft rupture: not meeting six clinical discharge criteria before return to sport is associated with a four times greater risk of rupture. Br J Sports Med. 2016 Aug;50(15):946-51. doi: 10.1136/bjsports-2015-095908. Epub 2016 May 23. PMID: 27215935.

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