Rehaphase 1: Recovery
Rehaphase 1: Recovery
Nach einer Operation oder Verletzung stellt die Recovery-Phase die erste Reha-Stufe dar. Die Dauer, im Normalfall einige Tagen bis wenige Wochen, hängt im Wesentlichen vom Abklingen der Entzündungsphase und damit einhergehend von sehr viel Faktoren ab. Neben dem Ausmaß des Gewebstraumas spielen auch patientenbezogene Faktoren wie Ernährung oder Stressmanagement eine Rolle.
Eine kontrollierte, initiale Entzündungsreaktion ist dabei absolut essenziell für die Heilung. Erst eine verlängerte Entzündungsphase ist mit Komplikationen wie vermehrter Narbenbildung und schlechterem funktionellem Outcome im weiteren Rehaverlauf assoziiert (1). In dieser Phase gilt es daher, die körpereigene Wundheilung bestmöglich zu unterstützen und ein adäquates Entzündungsmanagement in den Hauptfokus zu setzen (1).
Die objektiven Kriterien zum Abschluss der Recovery-Phase sollen den Status des Entzündungsprozesses darstellen. Wenn keine Schmerzmittel mehr benötigt werden, ein Hauttemperaturunterschied zur Gegenseite von max. 2 Grad messbar und die intraartikuläre Schwellung auf ein Minimum zurückgegangen ist, kann von einer abgeklungenen Entzündungsphase ausgegangen werden.
Was ist ein Entzündungsprozess, warum entsteht er und ist Entzündung immer schlecht?
Vereinfacht beschreibt der Entzündungsprozess die Reaktion des Immunsystems auf Schäden oder Gefahren im Körper. Neben Krankheitserregern oder Zellschäden unterschiedlichster Genese löst auch verletztes Gewebe diese Reaktion vom Immunsystem aus. Nach Operationen oder Verletzungen am Bewegungsapparat dient die Entzündungsphase dazu, geschädigtes Gewebe zu entfernen, Immunzellen und Wachstumsfaktoren an den Ort der Gewebeschädigung zu rekrutieren und damit die Grundlage für Reparaturprozesse zu schaffen. Sie ist das Startsignal für die anschließende Geweberegeneration, den Kollagenaufbau und bildet letztlich die Basis für eine strukturelle Heilung.
Als problematisch sind Entzündungsprozesse dann einzustufen, wenn sie überschießend, chronisch oder fehlreguliert sind. (2)
Wie geht man mit einem warmen und geschwollen Knie nach einer Operation um?
Die typischen 5 Zeichen einer akuten Entzündung sind Rötung, Wärme, Schwellung, Schmerz und Funktionsverlust. Diese entstehen durch erhöhte Durchblutung, erhöhte Gefäßdurchlässigkeit und die Aktivierung von Immunzellen.
Dementsprechend wird ein warmes und geschwollenes Knie unmittelbar nach einer Operation als völlig normal eingestuft. Der dabei im Körper ablaufende Entzündungsprozess ist essenziell für die Gewebeheilung und sollte nicht unterdrückt werden. Es gibt Hinweise, dass beispielsweise die starke Eindämmung einer physiologischen Entzündung durch entzündungshemmende Medikamente den Wundheilungsprozess verzögern kann (3). Folglich sollte in dieser Phase das Ziel sein, die bestmöglichen Gegebenheiten für den raschen Abschluss einer physiologischen Entzündungsreaktion zu schaffen.
Hierbei ist es essenziell, die betroffene Struktur relativ zu entlasten und passive Interventionen in den Vordergrund zu stellen. Neben regelmäßigem Hochlagern und angepassten Kühlungsmaßnahmen zählen auch die Kompressionstherapie sowie Maßnahmen, die auf das vegetative Nervensystem einwirken, dazu. Auch auf intensive Trainingsbelastung von nicht betroffenen Körperteilen sollte verzichtet werden, um den Körper keinem zusätzlichen metabolischen Stress auszusetzen.
Kryotherapie und der Einfluss auf Schmerz, Schwellung und Muskelaktivierung.
Kryotherapie stellt eine gängige Maßnahme in der Aktutphase dar und bezeichnet die gezielte therapeutische Anwendung von Kälte bzw. kühlenden Maßnahmen.
Die aktuelle Evidenz zeigt, dass Kryotherapie nach Operationen am Bewegungsapparat postoperative Schmerzen kurzfristig signifikant reduzieren kann. Die stärksten Effekte treten in den ersten Tagen nach der Operation auf und können dazu beitragen, den Bedarf an Schmerzmedikamenten zu senken. Langfristig nimmt der Nutzen jedoch ab, sodass Kryotherapie vor allem als ergänzende Maßnahme zur frühen postoperativen Schmerzbehandlung empfohlen wird (4).
Eine weitere Studie aus dem Jahr 2019 untersuchte den Einfluss einer 20-minütigen Kryotherapie auf die Quadrizepsaktivierung in der frühen postoperativen Phase nach Knieoperationen. Die Autoren erfassten die Aktivität der verschiedenen Muskelanteile mittels Elektromyographie und zeigten, dass Kryotherapie die neuromuskuläre Aktivierung des Quadrizeps unmittelbar nach der Anwendung positiv beeinflussen kann (5).

(1) Muire PJ, Mangum LH, Wenke JC. Time Course of Immune Response and Immunomodulation During Normal and Delayed Healing of Musculoskeletal Wounds. Front Immunol. 2020 Jun 4;11:1056. doi: 10.3389/fimmu.2020.01056. PMID: 32582170; PMCID: PMC7287024.
- (2) Medzhitov, R. Origin and physiological roles of inflammation. Nature 454, 428–435 (2008). https://doi.org/10.1038/nature07201
- (3) Schug SA. Do NSAIDs Really Interfere with Healing after Surgery? J Clin Med. 2021 May 27;10(11):2359. doi: 10.3390/jcm10112359. PMID: 34072128; PMCID: PMC8198282.
(4) Loro WA, Thelen MD, Rosenthal MD, Stoneman PD, Ross MD. The effects of cryotherapy on quadriceps electromyographic activity and isometric strength in patient in the early phases following knee surgery. J Orthop Surg (Hong Kong). 2019 Jan-Apr;27(1):2309499019831454. doi: 10.1177/2309499019831454. PMID: 30803326.
(5) Miranda JP, Figueiredo RCC, Saragiotto B, Oliveira VC. Effectiveness of cryotherapy on pain intensity, range of motion, swelling and function in the postoperative care of musculoskeletal disorders: a systematic review and meta-analysis of randomised controlled trials. Br J Sports Med. 2026 Mar 17;60(6):440-449. doi: 10.1136/bjsports-2024-109497. PMID: 41047148.