Stufenmodell im Rehaprozess (1)
Stufenmodell im Rehaprozess (1)
Unser Stufenmodell strukturiert den Rehabilitationsprozess in aufeinander aufbauende Phasen, die jeweils spezifische therapeutische Ziele und Belastungsniveaus definieren. Der Übergang zwischen den Stufen erfolgt, wie bereits in den vorherigen Beiträgen erläutert, idealerweise kriterienbasiert und nicht (ausschließlich) zeitabhängig. Dadurch wird eine systematische Progression der Belastung und Funktion ermöglicht, die den Athleten schrittweise von der akuten Verletzungsphase über den Funktionsaufbau bis zur Rückkehr zu Alltag, Sport und Wettkampf führt. Moderne Rehabilitationsmodelle sollten dabei mehrere funktionelle Komponenten parallel berücksichtigen, anstatt diese linear nacheinander abzuarbeiten.
Belastungssteigerung im Rehaverlauf (2)
Mit einer Verletzung und/oder Operation startet der körpereigene Wundheilungsprozess. Dieser lässt sich grob in die Entzündungs-, Proliferations- und Remodellierungsphase unterteilen. Jedes Gewebe durchläuft diese Phasen unterschiedlich schnell. Während Muskelgewebe unter anderem aufgrund seiner guten Durchblutung und hohen Zellaktivität vergleichsweise schnell regeneriert, weisen Sehnen und Bänder deutlich längere Heilungszeiten auf. Allen Gewebeformen gemeinsam ist jedoch, dass ihre strukturelle Belastbarkeit im Verlauf der Heilung kontinuierlich zunimmt. Ein Stufenmodell soll durch eine kriterienbasierte Progression eine adäquate Gewebebelastung gewährleisten und die Wundheilung fördern, ohne die betroffene Struktur zu überlasten.
Belastungskategorien zur leichteren Verständlichkeit und Kommunikation
Zur besseren Verständlichkeit und Kommunikation orientiert sich die Nomenklatur der einzelnen Stufen an funktionellen Meilensteinen im Rehaprozess. Nach Verletzungen der unteren Extremität stellen beispielsweise die Return-to-Run und die Return-to-Sports-Phase zwei aufeinander folgende Stufen dar. Der erfolgreiche Abschluss einer Stufe – basierend auf klar definierten Kriterien – signalisiert eine ausreichende Belastbarkeit für die Anforderungen der folgenden Phase. So gilt beispielsweise der Abschluss der Return-to-Run-Phase als Freigabe für den Einstieg in ein strukturiertes Lauftraining. Mit Abschluss der Return-to-Sports-Phase erfolgt auf der nächsten Stufe die Wiederaufnahme sportartenspezifischer Trainingsinhalte (3).
Klare, kriterienbasierte Ziele und Meilensteine, um die Schwerpunkte und Inhalte der einzelnen Phasen zu definieren
Aus der klaren Nomenklatur und den damit einhergehenden Belastungsprofilen leiten sich die Schwerpunkte der einzelnen Phasen ab. Diese lassen sich in verschiedene Trainings- und Therapiekomponenten unterteilen, wie Kraft, Ausdauer, Beweglichkeit, Schnelligkeit und Technik. Nach Verletzungen der unteren Extremität sollte beispielsweise mit Abschluss der Return-to-Activity-Phase ein freies Gehen ohne Hilfsmittel möglich sein. Voraussetzung hierfür sind insbesondere eine ausreichende Beweglichkeit sowie eine adäquate neuromuskuläre Aktivierung der gelenksumgebenden Muskulatur, was sich auch in den therapeutischen Schwerpunkten dieser Phase widerspiegelt. Eine grundlegende Intervention zur Beweglichkeitsverbesserung stellen aktive Beweglichkeitsübungen mit niedriger Intensität und hohem Wiederholungsumfang dar. Bei der Wiederherstellung einer adäquaten Muskelansteuerung spielen Aktivierungsübungen sowie koordinative Trainingsreize eine wesentliche Rolle. Ergänzend werden Maßnahmen wie die Elektrische Muskelstimulation eingesetzt, bei der die Muskelkontraktion durch apparative elektrische Impulse unterstützt wird.

(1) Cranswick I, Jones A, Brogden C, Mayhew L, Minshull C. Rehabilitation remodelled: a narrative review of injury rehabilitation models and proposal of a multi-component MSK rehabilitation model. Res Sports Med. 2026 Mar-Apr;34(2):176-204. doi: 10.1080/15438627.2025.2547191. Epub 2025 Aug 18. PMID: 40824438.
- (2) Leong NL, Kator JL, Clemens TL, James A, Enamoto-Iwamoto M, Jiang J. Tendon and Ligament Healing and Current Approaches to Tendon and Ligament Regeneration. J Orthop Res. 2020 Jan;38(1):7-12. doi: 10.1002/jor.24475. Epub 2019 Sep 30. PMID: 31529731; PMCID: PMC7307866.
(3) Badawy CR, Jan K, Beck EC, Fleet N, Taylor J, Ford K, Waterman BR. Contemporary Principles for Postoperative Rehabilitation and Return to Sport for Athletes Undergoing Anterior Cruciate Ligament Reconstruction. Arthrosc Sports Med Rehabil. 2022 Jan 28;4(1):e103-e113. doi: 10.1016/j.asmr.2021.11.002. PMID: 35141542; PMCID: PMC8811493.